Chau Doc an der Grenze zu Kambodscha

An der kambodschanischen Grenze gekommen empfängt uns in Chau Doc ein ganz anderes Leben. Rauer, frontaler, aber auch herzlicher und direkter. Auch hier zieht es uns wieder abseits der Touristengebiete und wir laufen durch die Gegend. Laufen? Niemand! läuft hier, jeder fährt Motorbike, Taxi oder Fahrradtaxi. Ungläubig werden die beiden Langnasen beäugt, die sich oft durch den dichten Verkehr stadtauswärts schieben. Ohne Ziel und ohne Plan, aber dafür mittendrin. Oft empfängt uns ein fröhliches Lächeln, Kinder winken, alte Leute lächeln und nicken. Wir winken und lächeln zurück, es ist einfach so schön, fast nur freundlichen Menschen zu begegnen. Kinder rennen eine Weile mit uns, ihr „hello“ klingt ein bisschen wie „Helau“, nur echter. In den Zimmern leuchten die Altarlichter, die in scheinbar jedem Haus zu finden sind. Private Einblicke erhaschen wir, oftmals eine Hängematte im zentralen Eingangsbereich und einem strukturierten Chaos,welches von praktischen Nutzen und nicht von optischer Ordnung gekennzeichnet ist. An jeder Ecke eine Garküche, Maiskolben, Pho Bo und Dinge, die wir kaum erahnen können, werden hier frisch zubereitet. Wir finden den Weg auf den Nachtmarkt der Stadt, lassen uns nieder an einem Alutisch und essen leckeres Streetfood mit Plastikstäbchen von blumenbemalten Tellerchen. Die Sonne ist schon vor Stunden hinter dem Horizont verschwunden, dennoch mischt sich ein magisches, rosafarbene Licht unter die bunte Beleuchtung der Straßen und Gassen. An der Markhalle werden die letzten Waren des Tages verkauft, ein Rolladen nach dem anderen schließt sich und hüllt die unzähligen Waren in bloße Dunkelheit. Am Straßenrand kaufen wir Cherimoua und Mango, kriegen Kekse geschenkt bei einer der zahlreichen Hochzeitspartys und werden beschallt von lautester Karaoke, die mit schepperndem Sound durch die ganze Stadt tönt und uns noch in den Schlaf geleitet. Am Morgen weckt uns der unverkennbarer Sound der vietnamesischen Gassen mit Hupen, Knattern und den Megaphonstimmen der Fahrradhändler. Hinzu gesellt sich das Gebet der Muslime der Stadt und vermischt sich zu einer harmonischen Symphonie, die uns noch Tage begleiten wird.