Vietnam 2- zwischen den Welten in Asien…

Ein weiterer Tag in dieser wahnsinnigen Stadt neigt sich dem Ende zu und meine Synapsen flirren. Wir sind gut 20 Kilometer durch die Gegend gewandert, haben uns treiben lassen in Gebiete fern ab der Touristenattraktionen. In ein Saigon, welches sicherlich immer noch westlicher ist als der große Teil dieses besonderen Landes. Ja, westlich geht es vielerorts zu, so sehr das ich manchmal kaum meine, in Asien zu sein. Stylische Cafes, die mit weissem Purismus bestens in die Hamburger Szenenbezirke passen könnten. Rooftopbars, wo die Cocktails so viel kosten, wie im trendigen Frankfurter Edelladen oder Co- Working Cafes, wo Apple und Samsung sich die Klinke in die Hand geben. Dennoch ist dort noch viel von diesem anderen Leben, einem Leben welches lange vor dieser Dekadenz schon immer da war. So erzählt der Geruch in den Straßen von großer Direktheit, flüstert von einem Leben, in dem Privatsphäre ein Fremdwort ist. Zwischen Abgasen, Fischsauce und diesem typischen Gemisch aus Küche und Container, liegt eine andere Welt. Eine Welt, in der den Tag lang auf den Straßen gegessen, gekocht und erzählt wird, geschlafen, gedacht und gelebt. Alte Frauen, die tagein, tagaus ihre Garküche auf dem heissen Asphalt betreiben, mit ihren Essenswagen durch die staubigen Straßen ziehen oder Männer, die die Last ihrer Waren in Körben über der Schulter feilbieten. Am Ende des Tages, wenn die Dunkelheit sich schon lange über die Stadt gelegt, ziehen sie sich nur kurz zurück. Kehren ein in ihre kleinen Zimmer, die selten kaum mehr als Garagengröße an lauter Straße haben. Mit der Familie, dem Hund und den Kindern und auch manchem Hahn, welcher alltäglich lautstark das Morgengrauen verkündet. Eine junge Frau schließt das Gitter ihrer Tankstelle am Abend direkt hinter sich zu, klappt ihre Klappliege aus und hängt das Moskitonetz zwischen die Zapfsäulen. Um sie herum der nicht enden wollende Strom der Motorbikes, die millionenfach durch die Straßen donnern. Wie ein endloser Lindwurm, der blechern und elegant seine Kreise zu jeder Stunde durchs Straßengewirr zieht. Ein Leben, welches sicherlich nicht einfach, dennoch von einer Leichtigkeit geprägt ist, die ohne viel Besitz oder Ballast nur von reiner Existenz getragen wird. Ein Leben welches mich nachdenklich macht und zugleich tief berührt. Und welches mich nur zu sehr unser geordnetes westliches Leben voller Sicherheitsdenken und alltäglicher Ordnung in Frage stellen lässt.